Know-How

Das kleine 1&1 der Pferdefotografie

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Es ist kein Geheimnis, dass Pferde zu den prächtigsten Tieren unseres Planeten gehören. Zumindest, wenn man einen Pferdemenschen fragt. Die pure Kraft, die eleganten Bewegungen, die seidigen Mähnen und Schweife und der sanftmütige Geist sind es, weswegen wir uns so leicht in unsere vierbeinigen Gefährten verlieben. Wenn es jedoch darum geht, ein rasant galoppierendes Pferd oder ein einfaches Portrait des hübschen Köpfchens zu fotografieren, kann sich der anmutende Anblick dieser Tiere schnell in nilpferd- oder giraffenartige Figuren verwandeln. Es gibt jedoch einige gute Tipps und Tricks für den Einstieg als Pferdefotograf, denen man Beachtung schenken kann. Ich möchte heute ein bisschen aus meinem Erfahrungsschatz plaudern.

1. Die Ausrüstung

Das Wichtigste für ein gelungenes Pferdebild ist die Wahl der richtigen Brennweite. Ich empfehle dazu ein Teleobjektiv ab 135mm aufwärts. Die Stauchung, die Teleobjektive ab dieser Brennweite erzeugen, lassen den recht lang gezogenen Pferdekörper sehr harmonisch wirken. Das Pferd sieht durch diesen optischen Effekt kompakter und eleganter aus. Ideal sind 200mm. Die optische Wirkung auf das Motiv ist perfekt, die Freistellung ergibt sich durch die Brennweite fast automatisch und auf den meisten heimischen Koppeln hat man mit dieser Brennweite genügend Spielraum, um sich zu bewegen und nicht allzu weit vom Motiv entfernt zu sein.

Mein Equipment:

Canon 135mm f/2.0: Ich nutze diese Linse vor allem für größere Motive, also wenn sich neben dem Pferd auch ein menschliches Model im Bild befindet. Die Linse ist messerscharf und erzeugt ein super schickes Bokeh. Canon 70-200mm f/2.8: Meine absolute Arbeitslinse und quasi das „Immerdrauf“ für Pferdefotografen. Gerade für Bewegungsaufnahmen von Pferden bringt der Zoom genügend Flexibilität. Aber Achtung: Unter 135mm geht der schöne Stauchungseffekt schon wieder verloren! Canon 1Dx: Für professionelle Berufsfotografen ist der Kamerabody genauso wichtig, wie die Sahnelinsen. Für ein professionelles Pferdefotoshooting brauchst du vor allem eine schnelle Kamera, ein gutes Rauschverhalten (besonders für Actionaufnahmen dunkler Pferde bei schlechtem Wetter) und natürlich einen guten Sensor für qualitätsvolle Endergebnisse.

Tipp: Wenn du dich zwischen einer richtig schnellen Cropkamera und einer langsameren Vollformatkamera entscheiden musst, empfehle ich dir in jedem Fall dich für den besseren Sensor statt für die höhere Geschwindigkeit zu entscheiden. Du kannst lernen, wann du den Auslöser am besten drückst, aber du kannst keinen schlechten Sensor verbessern.

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Gestochen scharf und ein wunderschönes Bokeh: Das 135mm f/2.0 von Canon ist eine tolle Portraitlinse.

2. Vorbereitung ist die halbe Miete

Ein Pferd richtig für ein Fotoshooting vorzubereiten, ist eine Aufgabe, die man als Fotograf weder unterschätzen noch vernachlässigen sollte. Ich empfehle, sich im Vorfeld über die zu fotografierende Rasse bzw. Reitstil zu informieren. Schau im Netz und in Pferdefachbüchern nach Informationen zu den Besonderheiten einer bestimmten Zuchtrichtung. Auf welche Merkmale legt der Zuchtverband besonderen Wert? Ist es wichtig, viel Hals oder eher die Bemuskelung der Brust und Hinterhand zu zeigen? Wird das Pferd offen oder geschlossen aufgestellt? Als Pferdefotograf musst du dir einige Fachbegriffe aneignen und im Zweifel sogar mehr über das korrekte Inszenieren deines Models setzen, als der Besitzer selbst. Du kannst auch den Besitzer nach typischem Zaumzeug fragen. Langhaar und Fell vor dem Shooting zu waschen gehört unabhängig von der Rasse zu jeder Vorbereitung dazu. Vergiss nicht, auch das Zaumzeug putzen zu lassen, sofern du eine schicke Trense oder ein Halfter für das Shooting verwenden möchtest. Wenn auch der Reiter oder Besitzer mit auf das Bild möchte, achte auf zum Pferd passende Kleidung des Menschen. Naturtöne und entsättigte Farben passen zu fast jedem Fell. Ein knalliges Türkis hingegen bildet einen tollen Komplementärkontrast zu einem fuchsroten Haarkleid.

3. Das Studio-Set

Wenn du ein Pferd im Studio fotografieren möchtest, ist es am besten, wenn du das Studio zum Stall bringst, anstatt das Pferd in dein (vielleicht viel zu kleines) Studio. In den meisten Ställen gibt es eine Reiterhalle oder zumindest einen ausreichend großen Lagerraum, welche du als Studio umfunktionieren kannst. So erleichterst du auch dem Pferd das Shooting: Einige Tiere lassen sich nicht verladen oder sind an neuen Orten viel unruhiger. Ein Shooting direkt am Stall hilft dem Pferd, sich schnell an das unbekannte Set-Up in der heimischen Umgebung zu gewöhnen. Ein mobiles Hintergrundsystem sowie eine große, schwarze Decke (am besten ein schwerer, lichtschluckender Moltonstoff) sind ein perfekter Hintergrund. Leider ist es an Reiterhöfen oft schwierig, Papierhintergründe zu verwenden. Die Feuchtigkeit des sandigen Bodens einer Reithalle macht dem Material zu schaffen. Du kannst im Prinzip jedes dir bekannte Lichtsetup aus der Portraitfotografie auch für dein Pferdefotoshooting aufbauen. Achte darauf, dass die Lichtformer entsprechend größer sind, denn ein Pferd hat einfach mehr Körpervolumen als ein Mensch. Ebenso wichtig ist genug Platz zwischen den Lampen, damit das Pferd sicher treten kann. Vorsicht mit den Kabeln! Ich lege meine Stromkabel möglichst dicht an die Hallenwand, damit sich kein Pferd darin verfangen kann. Freiliegende Kabel kann man gut mit kleinen Sprunghindernissen (Cavalettis) kenntlich machen. Auch ein Assistent kann sich an potentielle Gefahrenstellen platzieren, um im Notfall das Pferd in eine andere Richtung zu lenken bzw. die Technik schnell aus dem Weg zu räumen. Die vierbeinigen Models brauchen nach meiner Erfahrungen etwa 10-15min, um sich an das Set-Up und die Blitze zu gewöhnen. Gib dem Pferd die Zeit, die es braucht, um sich sicher zu fühlen. Ich bitte die Pferdebesitzer darum, ihren Tieren alle Lampen und Stative an Strick und Halfter zu zeigen. Pferde sind wie Kinder: Dinge, die sie mit ihren Nüstern erfühlen und riechen können, werden schneller in ihrer Wahrnehmung verarbeitet.

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Hat sich das Model an die Lichter gewöhnt, kann man oft sogar ohne Strick und Halfter arbeiten.

4. Aufmerksamkeit bitte!

Spannung im Körper ist der Schlüssel, zu gelungenen Pferdeportraits. Versuche dein Model zum Anspannen und Biegen des Halses zu animieren. Das verleiht ihm einen eleganten Ausdruck. Dein Assistent kann dafür z.B. mit knisternden Tüten, Leckerlies, Regenschirmen, Reflektoren oder Tiergeräuschen vom Handy die Aufmerksamkeit des Pferdes erlangen und es so in deine gewünschte Richtung schauen lassen. Bevor du dich für eine Methode aus deiner Trickkiste entscheidest, lerne erst den Charakter deines Models besser kennen. Einige Pferde sind einfach coole Socken und durch fast nichts zu beeindrucken. Andere hingegen sind sehr sensibel und bei kleinsten Bewegungen und Geräuschen schnell aufgebracht. Ein gestresstes Pferd ist aber kein gutes Model. Deswegen: Weniger ist mehr. Versuche so wenig Reize einzusetzen, wie nötig und erschrick deinen Shootingstar nicht! Ebenso wichtig ist die klare Kommunikation mit dem Pferdehalter. Du musst genaue Anweisungen geben, damit dieser das Pferd genau vor deinen gewünschten Hintergrund positionieren kann.

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Das Ergebnis mit Hilfe der „Knisterangel“

5. Die Outdoorlocation

Vorbereitungen sind wirklich wichtig für ein Tierfotoshooting und sparen dir eine Menge Zeit bei der Nachbearbeitung. Eine kleine Erinnerung: Pferde „funktionieren“ nicht wie Hunde. In den meisten Fällen kannst du dein Pferdemodell nicht einfach auf eine grüne Wiese stellen und dann zu dir hin abrufen, wie bei einem Hund. Aus diesem Grund sind Weiden nahezu endloser Größe nicht die allerbeste Location. Zumindest nicht, wenn man diese nicht vorbereitet. Auf großen Flächen hat das Pferd viel Platz zum Toben und ist in der Regel sehr viel schneller als du und deine Helfer. Ihr müsst also weite Strecken laufen und du verpasst wahrscheinlich ausgerechnet die besten Momente. Aber keine Sorge: Es ist viel leichter eine große Weide mit einfachen Koppelstäben und einer Litze zu teilen, als einen viel zu kleinen Paddock vergrößern zu wollen. Deine Fotolocation sollte so groß sein, dass du deine 200mm ausreizen kannst und das Pferd nicht direkt an der Hecke hinter dem Zaun „klebt“. Du brauchst für eine tolle Freistellung genug Abstand zwischen Pferd und Hintergrund. Vermeide störende Hintergrundelemente wie Häuser und Strommasten, um dir die Retuschearbeit zu sparen. Falls du die Weide mit einem Zaun teilst, lass das Pferd zunächst an der neuen Litze entlangführen, damit es diese wahrnimmt und beim Shooting nicht versehentlich durch den Zaun rennt.

6. Das Pferd lenken

Wenn deine Location sowie Model bereit sind, gilt es, dem Pferd zu erklären, wo es laufen soll. Pferde sind Herdentiere. Es wird sich vermutlich an seinen Weidekumpels orientieren und die Richtung einschlagen, in der es zu seinen Freunden zurück gelangt. Wenn beispielsweise andere Pferde an einer angrenzenden Koppel grasen, nutze ich diese Richtung gerne als „Zielpunkt“. Ich möchte damit verhindern, dass das Pferd endlose Zirkel rennt und schnell ausgepowert ist. Viel genauer kann man arbeiten, in dem das Pferd am Zielpunkt immer wieder eingesammelt wird, gerne auch mit einer Belohnung, und zum Startpunkt der Fotolaufbahn geführt wird. Weitere Helfer können das Pferd zudem auf der richtigen Spur halten.

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Die Helfer haben die anderen Wege blockiert und so die beiden Jungs genau auf Spur gehalten.

7. Die Phasen lernen

Wenn es dir nicht gelingt, die guten Phasen im Trab und Galopp zu treffen dann trainiere dein Auge. Du kannst dir dafür z.B. Youtubevideos von rennenden Pferden anschauen und dieses in dem Moment pausieren, in dem du auch auf den Auslöser gedrückt hättest. Das wird dich auch vor einer Datenflut schützen, die du beim unkontrollierten Durchrauschen des Serienmodus erzeugen würdest.

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Tolle Trabphase der Mutter und ein aufgerichtetes Fohlen im Galopp. Ein glücklicher Treffer.

8. Die Position des Fotografen

In den meisten Fällen ist die Normal- oder Froschperspektive die am besten geeignetste Position. Das heißt: Begib dich runter auf deine Knie. Das hat einen eindrucksvolleren Bildeffekt. Und zur Erinnerung: Reize dein Telezoom möglichst auf 200mm aus. Bei Outdoorshootings nutze ich immer die Offenblende (f/2.8 der f/2.0), um den besten Freistellungseffekt vom Hintergrund zu erhalten. Im Studio hingegen möchte ich eine höhere Tiefenschärfe erzielen und nutze Blenden um f/11. Auch wenn deine Location perfekt eingerichtet ist, bleib flexibel! Tiere wählen auch mal ganz andere Wege an die du dich anpassen musst, statt auf den Zufall zu warten, dass dein Model doch genau deinem Plan folgt.

9. Geduld

Der einfachste und effektivste Tipp, den ich dir geben kann ist: Sei immer geduldig mit deinem tierischen Model. Schau genau hin und lerne dein Model besser kennen, um spontan zu reagieren, wenn es dir eine Pose anbietet.

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Vorbereitung, Beobachtung und der Klick im richtigen Moment sind die Schlüssel für spannende Motive.

10. Retusche

Bei guter Vorbereitung deines Fotoshootings sparst du dir einige Retuschearbeiten. Ich selbst nutzte Lightroom und Photoshop, um Belichtung, Kontrast, Sättigung und Farben zu verfeinern. In Photoshop retuschiere ich Halfter und Stricke, falls gewünscht, sowie ggf. unfotogene Zäune und Litzen. Entferne kein Zaumzeug am Pferd, was in gezeigter Situation aktiv im Einsatz ist wie z.B. Zügel oder Stellen am Sattel, wenn das Pferd gerade geritten wird.

Weitere Tipps & Tricks gibt es in meinen Büchern Animal SoulFaszination Pferdefotografie nachzulesen. Gerne könnt ihr auch an meinen Fotoworkshops teilnehmen oder mich zum Einzelkurs buchen!

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